Hnefatafl

von Geirdís Geirharðsdottír

Geschichte

Hnefatafl, oder Königszabel, ist ein Brettspiel für zwei Personen. Es war in der Wikingerzeit von Irland bis zur Ukraine verbreitet. Archäologische Funde gibt es vor allem im Ostseeraum, auf den britischen Inseln und auf Island. Erste Spuren des Hnefataflspiels stammen aus dem Dänemark des 4. Jahrhunderts. Von dort verbreitete es sich mit den Wikingern nach England und mit den Warägern nach Russland und in die Ukraine.

Regeln

Hnefatafl wird auf einem quadratischen Spielbrett mit 11 x 11 Feldern gespielt. Es gibt sowohl kleinere, als auch größere Spielpläne. Das Spiel ist asymmetrisch, das heißt die beiden Spieler spielen mit unterschiedlich vielen Spielsteinen.

Der Spieler mit den Figuren in der Mitte (Verteidiger) verfügt über 12 Spielsteine einer Farbe und einen König, meist ein größerer oder andersfarbiger Spielstein, den er zu retten versucht. Der Angreifer verfügt über 24 Spielsteine einer anderen Farbe, jedoch keinen König. Diese Seite versucht den gegnerischen König gefangen zu nehmen.

In der Anfangsstellung (siehe Grafik) steht der König mittig und wird von den eigenen Steinen umringt. Die Steine des Gegners stehen in allen vier Himmelsrichtungen am Spielfeldrand.

Sieger des Spieles ist die Seite des Königs, wenn es diesem gelingt in eines der vier Eckfelder (schwierigere Variante) oder an den Spielfeldrand (einfachere Variante) zu flüchten. Die Seite des Angreifers gewinnt, wenn der König von vier Seiten umstellt ist.

Jeder Spieler zieht abwechselnd einen seiner Steine.

Der Angreifer beginnt und zieht einen seiner Steine senkrecht oder waagrecht soweit wie freie Felder vorhanden sind oder wie er möchte. Danach zieht der Verteidiger nach der gleichen Regel. Es besteht Zugzwang!

Ein Stein wird geschlagen, wenn er auf zwei Seiten, senkrecht oder waagrecht, vom Gegner eingeschlossen wird. Es ist allerdings nicht möglich sich selbst aus dem Spiel zu werfen, das heißt, wenn ein Stein zwischen zwei gegnerische Steine zieht, gilt er nicht als geschlagen und bleibt im Spiel. Der König darf wie alle anderen Steine ziehen.

Diese Regeln stellen eine einfache Variante des Spieles dar. Es gibt auch Versionen mit veränderten Startpositionen, mit gesperrten Feldern, die nur vom König betreten werden dürfen oder mit der Regel, dass der Spielfeldrand als Figur zählt.

Tablero de Jesus

von Geirdís Geirharðsdottír

Geschichte

Oft wird die Herkunft dieses Spieles mit Spanien im 15. Jahrhundert angegeben. Tatsächlich gibt es vor 1971 keinerlei Hinweise auf das Spiel. Dennoch ist es in SCA-Kreisen ein beliebtes Spiel.

Regeln

Für dieses Spiel benötigt man zwei Spieler, zwei Würfel, ein Spielbrett mit 7 x 7 Feldern und einen Vorrat an Münzen.

Aufbau

Der Anfangsspieler wird durch den niedrigsten Würfelwurf bestimmt. Er setzt fünf Münzen auf die Reihe 1 oder 7, in jede Spalte eine Münze, beginnend an einem Rand des Spielfeldes. Der zweite Spieler ergänzt auf der gegenüberliegenden Reihe je eine Münze in den noch freien Spalten.

Spielablauf

Der Spieler muss die Würfel bei einem Wurf von 7, 11 oder 12 an seinen Gegenüber weitergeben. Bei jedem anderen Ergebnis muss er zwei Münzen entsprechend der Würfelergebnisse bewegen.

Münzen werden immer in einer Spalte vorwärts oder rückwärts bewegt, aber niemals in beide Richtungen in einer Bewegung und auch nicht diagonal oder quer. Die Münze wird immer um so viele Felder bewegt, wie der Würfel Augen zeigt. Kann eine oder beide Augenzahlen nicht gefahren werden, muss der Spieler die Würfel weitergeben.

Liegen nach der Bewegung zwei oder mehr Münzen benachbart in einer Reihe, außer den Reihen 1 und 7, kann sie der Spieler vom Brett nehmen. Danach muss der andere Spieler die Spalten wieder auffüllen und übernimmt die Würfel. Wenn er nicht genug Münzen zum Nachfüllen hat, ist das Spiel vorbei.

Erhält man die Würfel, muss man mindestens einmal würfeln.

Wird eine Reihe mit 7 Münzen gebildet, kann der Spieler einen „Lauf“ ankündigen. Dabei muss der Gegner zwei Münzen auf den Lauf setzen. Würfelt der Spieler nun eine 7, 11 oder 12, hat er den Lauf und alle neun Münzen verloren. Andernfalls gehören die zwei Münzen ihm und er kann weiterlaufen. Dies geschieht so lange bis der Läufer verliert, der Gegenspieler nicht mehr bieten kann oder der Spieler beschließt den Lauf zu beenden.

Birnenpudding

– Das Buch von guter Speise, Würzburg um 1350

von Geirdís Geirharðsdottír

4 Birnen (ca. 500 g)
200 ml Weißwein, trocken
20 g Butter

50 g Zucker (Rohrzucker)
1 Prise Zimt
8 EL Schlagobers
3 Eigelb

Birnen schälen, entkernen und in kleine Stücke schneiden. Zusammen mit Weißwein und Butter weich kochen. Das Ganze durch ein Sieb schlagen und mit Zimt und Zucker abschmecken. Dann den Schlagobers hinzufügen und alles wieder zurück in den Topf geben. Eigelb hinzufügen und unter ständigem Rühren bei geringer Hitze andicken lassen. Danach in kleine Schälchen füllen, abkühlen lassen und servieren.

Das Buch von Guter Speise

Das Buch von guter Speise, benannt nach dem mittelhochdeutschen Textbeginn, ist das erste in deutscher Sprache verfasste Kochbuch. Es entstand um 1350 in Würzburg und wird daher auch Würzburger Kochbuch genannt. Es ist Teil des Hausbuchs des Michael de Leone und befindet sich heute in der Universitätsbibliothek in München.

Kammweben

Die meisten von uns haben in der Schule einmal gewebt – mit dem Schussfaden (mit oder ohne Schiffchen) abwechselnd über und unter die Kettfäden (also die aufgespannten Fäden). Dass damit bei dicken Fäden oder Bändern ziemlich schnell kleine Tischteppiche entstehen, ist damit wohl auch jedem noch bekannt.

Allerdings stellt sich dann schnell Langeweile ein, wenn man lange Stoffbahnen weben will oder mit dünnem Garn arbeitet. Daher gibt es schon seit vor Christi Geburt diverse Hilfsmittel, die einem die Webarbeit erleichtern und das monotone Drüber-Drunter-Drüber für jeden einzelnen Faden unnötig machen. Ein Beispiel dafür sind Webkämme, die in weiten Teilen Europas bekannt waren und es teilweise immer noch sind.

Bildquelle: Norsk Folkemuseum

Wie man am Bild aus dem Norsk Folkemuseum sehen kann, besteht ein Webkamm in Prinzip aus einem Brettchen, in dem abwechselnd Schlitze und Löcher angebracht sind. Dieses wird von der Mitte aus mit Kettfäden bespannt. Hebt man dann den Kamm über die gespannten Kettfäden an, heben sich alle Fäden in den Löchern, die Fäden in den Schlitzen rutschen nach unten. Drückt man den Kamm hinunter, senken sich die “Loch-Fäden”. Auf diese Art und Weise kann man immer abwechselnd die beiden “Webfächer” öffnen, das Drüber-Drunter passiert also mit einem einzigen Handgriff.

Natürlich sind den Mustern hier ohne weitere Arbeitsschritte erst einmal Grenzen gesetzt, da sich ja nur zwei Reihen von festen Fadenfolgen abwechseln. Man kann das ganz einfach einmal mit Buntstiften testen, indem man zwei Reihen Kästchen untereinander aufmalt, die um die Hälfte versetzt sind, und diese dann abwechselnd anmalt. Es entstehen einfache Zickzack Linien oder kleine Kästchen.

Klassische Trachtenbänder für Herrentrachten kann man in dieser Technik übrigens wunderbar herstellen.

Bildquelle: abgelaufenes Angebot auf willhaben.at

Das Kästchenmuster für diese Bänder sieht folgendermaßen aus:

Selbstverständlich sind die Grenzen dieser Technik damit noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Mit Hebetechniken lassen sich auch sehr viel komplexere Muster mit dem Kamm weben. Wer weiterlesen möchte, findet mehr Lesestoff auf 

http://viking-woman.blogspot.com/2017/05/kammweben-infosammlng.html

oder in den Büchern Inkle Pattern Directory (Anne Dixon) und Ostpreußische Jostenbänder (Irene Burchert)

Bayeux Stich

von Ellisa

Der Teppich von Bayeux ist sicher eines der bekanntesten kunsthandwerklichen Stücke des Mittelalters. Auf über 68 Metern (!) zeigt dieser die Geschichte rund um den Battle of Hastings (1066) und zwar aus zeitgenössischer Sicht. Der Teppich entstand bereits kurz nach den dargestellten Ereignissen. Neben der kommentierten Hauptlinie weist er auch oben und unten Zierbalken mit häufig fantastischen Tieren auf. Die Ereignisse werden von erklärendem Text auf Latein begleitet.

Der Bayeux-Stich ist eine der Sticharten, die in der Arbeit verwendet wurden. Er wird benutzt, um große Flächen möglichst materialschonend zu füllen. Dabei ist ein Stickrahmen unbedingt nötig, um die Flächen gleichmäßig zu füllen.

Als ersten Arbeitsschritt umrandet man die geplante Form mit Stielstich. Dabei kann man, wenn man will, schon die Innendetails mitsticken, allerdings muss man dann den Füllstich unter diesen durchführen, deshalb ist diese Reihenfolge nicht ideal.

Der Füllstich ist der zweite Arbeitsschritt. Für diesen sucht man die längste Länge in der zu füllenden Fläche. Diese füllt man, indem man unter dem Randstich nach oben sticht, den Faden über die komplette Länge legt und unter den gegenüberliegenden Randstich nach unten führt. Danach kommt der Faden direkt daneben wieder nach oben und wird parallel zum ersten zurück nach oben geführt und so weiter. So entsteht auf der Oberseite eine Fläche an dicht nebeneinanderliegenden Fäden, während auf der Unterseite nur kleine Pünktchen an Füllfarbe die Kanten entlang zu sehen sind.

Damit die gelegten Fäden nicht wegklaffen, werden sie im dritten Schritt mit rechtwinkelig darüber gelegten Fäden in regelmäßigen Abständen festgeheftet. Dazu legt man wieder von Randstich zu Randstich Fäden quer über die Füllfäden und heftet diese dann am “Rückweg” in regelmäßigen Abständen fest. Dabei sticht man idealerweise durch statt zwischen die Füllfäden, damit keine Lücken entstehen. Die Abstände der Heftstiche und die Fadenabstände der Heftfäden sollen dabei in etwa gleich groß sein (mind. 1/2cm Abstand).

Ein paar Anmerkungen noch:

* Es ist durchaus üblich, dass nebeneinander liegende Flächen nicht in die gleiche Fadenrichtung gefüllt werden.
* Die hinten liegenden Beine bei Tieren am Teppich von Bayeux haben in der Regel eine andere Farbe, um Tiefenwirkung zu erzielen.
* Im Original sind die Farben für Tiere nicht notwendigerweise natürlich gewählt – es gibt z.B. auch blaue Pferde. Originalfarben waren Färbungen mit Reseda, Waid und Krapp in verschiedenen Kombinationen.

 

Erste Schritte im Vergolden

von Ellisa von Styra

Betrachtet man historische Handschriften aus den verschiedenen Jahrhunderten, fallen einem oft die aufwendigen Vergoldungen auf. Dabei konnten sowohl größere Flächen als auch feine Linien vergoldet werden.

Hier zum Beispiel ein Falkner aus einem Psalter und vergoldete Drachen aus einer Aristoteles-Abhandlung, beide Handschriften aus dem späten 13. Jahrhundert.


Damit Gold wie gewünscht auf der Manuskriptseite (und sonst nirgends) klebt, benötigt es einen “Kleber”, das sogenannte Gesso. Dieses wird nach dem Entwurf als erster Arbeitsschritt aufgebracht, da Blattgold auch an Farben haften würde, die ähnliche Zusammensetzungen haben. Für das Gesso gibt es in der Literatur eine Vielzahl an Rezepten. Ein sehr einfaches, das für erste Versuche gut geeignet ist, ist eine Mischung aus Rohzucker, Gummiarabicumpulver (in der Apotheke erhältlich) und destilliertem Wasser im Verhältnis 1:1:4. Dafür reicht jeweils schon eine sehr kleine Menge! Die drei Zutaten werden im Mörser fein vermalen, so dass eine Art Sirup entsteht. Es ist üblich, diesem noch eine kleine Menge Rotpigment hinzuzufügen, da Blattgold gegen Licht gehalten leicht grünlich schimmert und das Rot darunter ihm den gewünschten warmen Farbton verleiht.

Wichtig ist dabei, dass alle Feststoffe wirklich gut im Wasser aufgelöst werden, da man sogar kleinste Verunreinigungen in der Vergoldebasis später sieht. Das Gesso in dieser Form kann am Anfang auch ganz kleine Bläschen schlagen, deshalb ist es sinnvoll, es eine Viertelstunde stehen zu lassen, bevor man es verwendet, sonst sieht man später auch diese Unregelmäßigkeiten unter dem Gold.

Zum Vergolden trägt man das Gesso tropfenweise in die Mitte der zu vergoldenden Fläche auf und zieht es von dort mit der Pinselspitze an die Kanten. Neue Flüssigkeit wird der existierenden Oberfläche “zugefüttert” und von dort weiter gezogen. Damit erhält man eine glatte, regelmäßige Oberfläche, die später auch eine schöne, glatte Vergoldung erlaubt.

Grundsätzlich kann man damit leicht erhabene Flächen erzeugen, allerdings sorgt dick aufgetragenes Gesso bei den meisten Papiersorten dafür, dass sich das Papier unter stehenden Tropfen wellt, wie man am rechten Bild hier sieht, bei dem eine fertig gekaufte Anlegemilch genau dieses Problem erzeugt hat. Solche Wellen lassen sich auch später nicht mehr komplett auspolieren. Deshalb ist es eine gute Idee, zuerst eine sehr dünne Grundschicht als Versiegelung aufzutragen und erst, wenn diese getrocknet ist, eine zweite Schicht zum Vergolden darauf zu legen. Dann heißt es erst einmal warten. Das Gesso sollte 24, besser noch 48 Stunden durchtrocknen.

Blattgold erhält man recht einfach einerseits aus dem Fachhandel, andererseits aber auch über Amazon und vergleichbare Anbieter. Kauft man größere Mengen, kostet ein Blatt von ca. 10×10 cm etwa einen Euro, man hantiert hier also nicht mit riesigen Summen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man kein beschichtetes Gold (“Gold on base”) kauft, dieses bröselt beim traditionellen Vergolden und hat eine völlig andere Beschaffenheit als echtes Blattgold. Blattgold gibt es entweder als lose Blätter oder als Transfergold, das für jemanden mit wenig Übung einfacher zu handhaben ist. Das Material ist das gleiche, Transfergold wurde aber mittels statischer Aufladung auf Seidenpapier aufgebracht und lässt sich damit leichter anfassen und auf eine vorbereitete Oberfläche übertragen.

Um den getrockneten Untergrund zu aktivieren, genügt es, den Bereich durch ein Röhrchen anzuhauchen, bis er wieder leicht glänzt. Dann legt man das Blattgold auf, streicht es vorsichtig fest und wiederholt den Vorgang, indem man weitere Schichten darüber legt, bis das Gold nicht mehr auf dem Untergrund haftet, sondern auf dem Transferpapier bleibt. Dann wird das Gold einmal fest durch das Transferpapier aufgedrückt und schließlich mit einem Achatpolierer vorsichtig aufpoliert. Das anfangs recht matte Gold wird durch das Aufpolieren hochglänzend. Anschließend werden die Ränder mit einem weichen Pinsel gesäubert. Die dabei anfallenden Goldbrösel kann man sammeln, um sie später zu Shell Gold Farbe zu verarbeiten.

Wie plastisch erhabene Vergoldung wirkt, sieht man beispielsweise an diesem vergoldeten Drachen im Vergleich zu den gemalten Flächen rundherum. Allerdings ist das Gold hier nicht besonders glatt poliert. Manchmal hat man einfach einen “bad gold day”, bei dem der eine oder andere Arbeitsschritt nicht so gelingen will wie man sich das vorstellt.

Eine Anleitung für das Vergolden mit Shell Gold, also Goldpulver, findet sich hier.

Schach der vier Jahreszeiten

von Geirdís Geirharðardóttir

Geschichte

Eines der ersten europäischen Bücher über Spiele war das „Libro de los juegos“, beauftragt von König Alfonso X. von Kastilien. Das Buch enthält verschiedene interessante historische Spiele, auch das Schach der vier Jahreszeiten, eine Schachvariante für vier Spieler. Der Originaltitel lautet: Acedrex de los Quatros Tiempos.

Wie der Name vermuten lässt, ist dieses Spiel ein Wettstreit der Jahreszeiten, verkörpert von den vier Spielern. Mehr noch, die Farben der Figuren repräsentieren eines der vier Elemente und einen der vier Säfte der Humoraltheorie. Grün steht für Frühling, Luft und Blut, Rot für Sommer, Feuer und Gelbe Galle, Schwarz bedeutet Herbst, Erde und Schwarze Galle und Weiß repräsentiert den Winter, Wasser und Schleim.

Regeln

Spielbrett

Gespielt wird auf einem Standard-Schachbrett, das um zwei Diagonalen über die 16 Mittelfelder ergänzt wird. Diese sind Hilfslinien, die den Bewegungsbereich der Bauern kennzeichnen.

Aufstellung

Rot: König a1, Turm b1, Springer a2, Läufer b2, Bauern a3, b3, c1, c2

Schwarz: König h1, Turm g1, Springer h2, Läufer g2, Bauern g3, h3, f1, f2

Weiß: König h8, Turm g8, Springer h7, Läufer g7, Bauern h6, g6, f8, f7

Grün: König a8, Turm b8, Springer a7, Läufer b7, Bauern a6, b6, c8, c7

Spielzüge

König, Turm und Springer bewegen sich wie beim modernen Schach. Der König zieht ein Feld weit in eine beliebige Richtung. Der Turm zieht und schlägt vertikal und horizontal in beliebiger Länge. Der Springer zieht zwei Felder nach vorne, hinten, links oder rechts und ein Feld im rechten Winkel dazu. Der Läufer springt auf das übernächste diagonale Feld. Die Bauern ziehen ebenfalls wie im modernen Schach, jedoch ohne den Doppelzug zu Beginn. Dabei ziehen sie in Richtung der gegnerischen Startfelder, z. B. die roten Bauern a3, b3 auf den Linien a und b in Richtung Grün und die roten Bauern c1, c2 auf den Linien 1 und 2 Richtung Weiß. Erreicht ein Bauer die Grundlinie, wird er zur Dame. Die Dame zieht ein Feld in jede Richtung.

Weitere Regeln

Grün beginnt, danach ist die Reihenfolge gegen den Uhrzeigersinn. Verloren hat ein Spieler mit einem Schachmatt, einem Patt und wenn er nur noch den König besitzt. Bei einem Schachmatt übernimmt der siegreiche Spieler die Figuren des Besiegten, ansonsten werden die Figuren vom Brett genommen.

Heavy Scribing

Ad Flumen is happy to invite you to a weekend of calligraphy and illumination as well as heavy fighting. We’ll have teachers from Knight’s Crossing joining us from June 8-10, 2019. In addition there will be a visit to the National Library.

What? Calligraphy/Illumination workshop and Heavy Fighting training

When? June 8-10, 2019

Where? We’ll meet in a private venue in the west of Vienna. Please make your own arrangements for accommodation.

Who? Ellisa von Berenklaw is going to teach scribing, Barobrand Hissgant will hold Heavy Fighting training for us.

Interested? Contact us at MoAS.adflumen@gmail.com.

Eine neue Handschrift erlernen – am Beispiel des Book of Kells

Das Book of Kells ist eine der bekanntesten illuminierten Handschriften überhaupt. Es entstand im 8. oder 9. Jahrhundert vermutlich in Schottland, von wo es später nach Irland gebracht wurde, wo man es auch heute in einer Sonderausstellung in Dublin besichtigten kann. Inzwischen ist das gesamte Buch auch digitalisiert.

Es enthält die vier Evangelien, verziert mit aufwendigen Zierseiten und abwechslungsreichen Initialen. Die verwendete Handschrift ist die Angelsächsische Majuskel, es gibt also keinen Unterschied zwischen Groß- und Kleinbuchstaben. Neben den für uns geläufigen Zeichen verwendet das Book of Kells auch eigene Zeichen wie etwa für das “&”, das im Bildausschnitt in der zweiten Zeile rechts farbig hervorgehoben ist. Wie bei den meisten frühen Schriften ist das Erscheinungsbild sehr regelmäßig, die Zeilen sind bis zum Rand vollgeschrieben und Wörter gehen teilweise in der nächsten Zeile weiter.

8v – Dieser Ausschnitt stammt von der ersten reinen Textseite des Manuskripts und ist dementsprechend noch sehr stark farblich dekoriert. Die Dichte an Dekorationen nimmt später ab.

Da uns die Buchstaben der Handschrift weitgehend geläufig sind, ist sie von der Buchstabenform her nicht schwer zu erlernen, allerdings dauert es lange, bis die im Manuskript auffällige Einheitlichkeit der Buchstaben erreicht ist. Eine gewisse persönliche Note ist bei Handschriften kein Problem – auch das Original wurde nicht nur von einer Person niedergeschrieben und weist daher Unterschiede auf -, der Gesamteindruck soll aber an das Original erinnern.

256v – Im Vergleich zum oberen Textausschnitt sieht man hier zum Beispiel eine Verschiebung in den Ober- und Unterlängen. Das R ist tiefgesetzt statt leicht nach oben erhöht, das N hat eine Unterlänge, es kommen verschiedene Varianten von D vor und der Zeilenabstand ist im Verhältnis zur Schrifthöhe geringer, der Text kompakter.

Was muss man beim Erlernen einer neuen Handschrift berücksichtigen?

Natürlich ist es wichtig, sich alle Buchstaben anzueignen, bis man sie einigermaßen flüssig schreiben kann. Verschiedene Verfasser schreiben die gleiche Handschrift unterschiedlich und es gibt häufig mehr als eine Variante, einen Buchstaben zu schreiben. Im oberen Textausschnitt sieht man z.B. zwei verschiedene Varianten des “N” – besonders auffällig bei IOHANNES in der dritten Zeile, wo direkt hintereinander beide Varianten vorkommen. Auch das “S” gibt es in zwei Varianten (siehe TRADITUS EST gleich nach dem IOHANNES in der dritten Zeile). Das “S” und das “M” werden teilweise getreckt, um Zeilen zu füllen – auch das sieht man hier gut. Um einen Überblick zu bekommen, kann man z.B. aus diversen Handschriftenseiten das Alphabet herauszeichnen oder herauskopieren. Fehlende Buchstaben (aufgrund der Sprache beim Book of Kells J, K und ein unterscheidbares V/U) kann man entweder in einem geeigneten Stil selbst erfinden oder aus Empfehlungen von Kalligraphie-Büchern (zum Beispiel Harris: 100 kalligraphische Alphabete) entlehnen.

Der nächste wichtige Schritt sind die Abstände und die Federbreite. Man misst die Federbreite an einem dicken Schriftstrich (in diesem Fall einem senkrechten Strich) und sieht sich dann an, wie der Verhältnis von Federbreite zu Schrifthöhe aussieht. Dabei ist sowohl wichtig, sich die Größe der Normalbuchstaben anzusehen, als auch die Höhe von Ober- und Unterlängen. Außerdem wird der Zeilenabstand bemessen. Die Handschrift im Book of Kells hat auf den ersten Textseiten ein Verhältnis von Textkörper : Ober-/Unterlängen : Zeilenabständen von 2 : 1 : 4.

Um nun eine einigermaßen passende Handschrift zu produzieren, sollte man sich entsprechend Hilfslinien zumindest für die Texthöhe und die Zeilenabstände ziehen. Man kann auch am Anfang auf Millimeterpapier arbeiten. Das hilft unter anderem dabei, eine einheitliche Neigung der senkrechten Striche zu trainieren.

Schwieriger ist eine ausgewogene Aufteilung der horizontalen Weite – die Wortabstände und die Buchstabenbreite tragen genauso maßgeblich zum Schriftbild bei wie Füllelemente. Um das zu üben, kann man beispielsweise auf ausgedruckten Originalseiten üben “mitzuschreiben”.