Kreisel

von Geirdís Geirharðardóttir

Schnur-, Finger- und Wendekreisel
(Foto: Geirdís)

Als Kreisel werden Gegenstände bezeichnet, die, in Drehung versetzt, um eine Achse rotieren. Sie sind seit jeher ein beliebtes Kinderspielzeug, wurden aber auch zum Glücksspiel oder für Weissagungen verwendet. Seit dem 18. Jahrhundert sind Kreisel auch in der Physik ein beliebtes Thema. Spielzeugkreisel zählen zu den häufigsten archäologischen Funden bei Kinderspielzeug.

Wie genau die Menschen auf die Idee kamen, Kreisel zu bauen, ist heute nicht geklärt. Es gibt Vermutungen, dass sie sich aus Spindeln entwickelt haben oder einfach die Natur zum Vorbild genommen wurde. Eicheln oder Schneckenhäuser sind natürliche Kreisel.

P. Bruegel d.Ä. – Kinderspiele (Foto: commons)

Bis ins 18. Jahrhundert wurden Spielzeugkreisel zumeist aus Holz oder Ton hergestellt. Auf den meisten Darstellungen aus dem Mittelalter finden sich Kinder, die mit Peitschenkreiseln spielen, z. B. “Die Kinderspiele” oder “der Kampf zwischen Karneval und Fasten” von Pieter Bruegel dem Älteren, beide zu sehen im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Museo archeologico di Milano – röm. Kreisel
aus Ägypten, 1.-3.Jh (Foto: commons)

Bei Peitschen- oder Wurfkreiseln geht es darum, einen auf dem Kopf stehenden Kegel mit einer Peitsche in Bewegung zu versetzen und diese Bewegung durch kontinuierliche Peitschenschläge aufrecht zu erhalten. In Europa wurden für diese Peitschen meist Aalhäute verwendet. In anderen Gebieten der Erde verwendete man Häute, Fasern oder gewebte Bänder.

Dodelschach

von Geirdís GeirharðardóttirDie kleine Ludothek

Geschichte

Dodelschach, besser bekannt als Tic-Tac-Toe, ist ein simples Strategiespiel für zwei Personen. Die Wurzeln können bis ins alte Ägypten zurückverfolgt werden. Bei den Römern waren Spiele mit drei Steinchen, wie Three men’s morris oder Rota ausgesprochen beliebt. Ein, dem Tic-Tac-Toe ähnliches, Spiel wurde terni lapilli (drei Steinchen), triodin, trias oder triad genannt. Unzählige Funde, in Stein geritzt, zeugen von der Beliebtheit des Spiels.  

Regeln

Auf einem 3×3 Felder großen Spielfeld setzen die beiden Spieler abwechselnd ihre Zeichen, meistens Kreuz und Kreis, auf ein freies Feld. Ziel des Spieles ist es, drei seiner Zeichen in einer Reihe zu haben. Dies kann waagrecht, senkrecht oder diagonal sein. Wenn es keinem der Spieler gelingt, drei Zeichen in einer Reihe zu haben und keine freien Felder mehr vorhanden sind, geht die Partie unentschieden aus.

Dieses Spiel lässt sich ganz einfach selbst nachspielen. Das Gitter ist schnell auf Papier gezeichnet, statt der Spielsteine werden Kreuze und Kreise einfach in die Felder gemalt. Die Spielbretter können mit Kreide auf die Straße gezeichnet werden, auf Holz oder in Stein geritzt werden, gehäkelt, gestrickt oder gestickt werden. Als Spielsteine eignen sich Steinchen, Nüsse, Bohnen, Holzscheiben, Perlen, Murmeln oder Schokolinsen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Tipp

In die Google Suche “terni lapilli” eingeben!

Hnefatafl

von Geirdís Geirharðsdottír

Geschichte

Hnefatafl, oder Königszabel, ist ein Brettspiel für zwei Personen. Es war in der Wikingerzeit von Irland bis zur Ukraine verbreitet. Archäologische Funde gibt es vor allem im Ostseeraum, auf den britischen Inseln und auf Island. Erste Spuren des Hnefataflspiels stammen aus dem Dänemark des 4. Jahrhunderts. Von dort verbreitete es sich mit den Wikingern nach England und mit den Warägern nach Russland und in die Ukraine.

Regeln

Hnefatafl wird auf einem quadratischen Spielbrett mit 11 x 11 Feldern gespielt. Es gibt sowohl kleinere, als auch größere Spielpläne. Das Spiel ist asymmetrisch, das heißt die beiden Spieler spielen mit unterschiedlich vielen Spielsteinen.

Der Spieler mit den Figuren in der Mitte (Verteidiger) verfügt über 12 Spielsteine einer Farbe und einen König, meist ein größerer oder andersfarbiger Spielstein, den er zu retten versucht. Der Angreifer verfügt über 24 Spielsteine einer anderen Farbe, jedoch keinen König. Diese Seite versucht den gegnerischen König gefangen zu nehmen.

In der Anfangsstellung (siehe Grafik) steht der König mittig und wird von den eigenen Steinen umringt. Die Steine des Gegners stehen in allen vier Himmelsrichtungen am Spielfeldrand.

Sieger des Spieles ist die Seite des Königs, wenn es diesem gelingt in eines der vier Eckfelder (schwierigere Variante) oder an den Spielfeldrand (einfachere Variante) zu flüchten. Die Seite des Angreifers gewinnt, wenn der König von vier Seiten umstellt ist.

Jeder Spieler zieht abwechselnd einen seiner Steine.

Der Angreifer beginnt und zieht einen seiner Steine senkrecht oder waagrecht soweit wie freie Felder vorhanden sind oder wie er möchte. Danach zieht der Verteidiger nach der gleichen Regel. Es besteht Zugzwang!

Ein Stein wird geschlagen, wenn er auf zwei Seiten, senkrecht oder waagrecht, vom Gegner eingeschlossen wird. Es ist allerdings nicht möglich sich selbst aus dem Spiel zu werfen, das heißt, wenn ein Stein zwischen zwei gegnerische Steine zieht, gilt er nicht als geschlagen und bleibt im Spiel. Der König darf wie alle anderen Steine ziehen.

Diese Regeln stellen eine einfache Variante des Spieles dar. Es gibt auch Versionen mit veränderten Startpositionen, mit gesperrten Feldern, die nur vom König betreten werden dürfen oder mit der Regel, dass der Spielfeldrand als Figur zählt.

Tablero de Jesus

von Geirdís Geirharðsdottír

Geschichte

Oft wird die Herkunft dieses Spieles mit Spanien im 15. Jahrhundert angegeben. Tatsächlich gibt es vor 1971 keinerlei Hinweise auf das Spiel. Dennoch ist es in SCA-Kreisen ein beliebtes Spiel.

Regeln

Für dieses Spiel benötigt man zwei Spieler, zwei Würfel, ein Spielbrett mit 7 x 7 Feldern und einen Vorrat an Münzen.

Aufbau

Der Anfangsspieler wird durch den niedrigsten Würfelwurf bestimmt. Er setzt fünf Münzen auf die Reihe 1 oder 7, in jede Spalte eine Münze, beginnend an einem Rand des Spielfeldes. Der zweite Spieler ergänzt auf der gegenüberliegenden Reihe je eine Münze in den noch freien Spalten.

Spielablauf

Der Spieler muss die Würfel bei einem Wurf von 7, 11 oder 12 an seinen Gegenüber weitergeben. Bei jedem anderen Ergebnis muss er zwei Münzen entsprechend der Würfelergebnisse bewegen.

Münzen werden immer in einer Spalte vorwärts oder rückwärts bewegt, aber niemals in beide Richtungen in einer Bewegung und auch nicht diagonal oder quer. Die Münze wird immer um so viele Felder bewegt, wie der Würfel Augen zeigt. Kann eine oder beide Augenzahlen nicht gefahren werden, muss der Spieler die Würfel weitergeben.

Liegen nach der Bewegung zwei oder mehr Münzen benachbart in einer Reihe, außer den Reihen 1 und 7, kann sie der Spieler vom Brett nehmen. Danach muss der andere Spieler die Spalten wieder auffüllen und übernimmt die Würfel. Wenn er nicht genug Münzen zum Nachfüllen hat, ist das Spiel vorbei.

Erhält man die Würfel, muss man mindestens einmal würfeln.

Wird eine Reihe mit 7 Münzen gebildet, kann der Spieler einen „Lauf“ ankündigen. Dabei muss der Gegner zwei Münzen auf den Lauf setzen. Würfelt der Spieler nun eine 7, 11 oder 12, hat er den Lauf und alle neun Münzen verloren. Andernfalls gehören die zwei Münzen ihm und er kann weiterlaufen. Dies geschieht so lange bis der Läufer verliert, der Gegenspieler nicht mehr bieten kann oder der Spieler beschließt den Lauf zu beenden.

Schach der vier Jahreszeiten

von Geirdís Geirharðardóttir

Geschichte

Eines der ersten europäischen Bücher über Spiele war das „Libro de los juegos“, beauftragt von König Alfonso X. von Kastilien. Das Buch enthält verschiedene interessante historische Spiele, auch das Schach der vier Jahreszeiten, eine Schachvariante für vier Spieler. Der Originaltitel lautet: Acedrex de los Quatros Tiempos.

Wie der Name vermuten lässt, ist dieses Spiel ein Wettstreit der Jahreszeiten, verkörpert von den vier Spielern. Mehr noch, die Farben der Figuren repräsentieren eines der vier Elemente und einen der vier Säfte der Humoraltheorie. Grün steht für Frühling, Luft und Blut, Rot für Sommer, Feuer und Gelbe Galle, Schwarz bedeutet Herbst, Erde und Schwarze Galle und Weiß repräsentiert den Winter, Wasser und Schleim.

Regeln

Spielbrett

Gespielt wird auf einem Standard-Schachbrett, das um zwei Diagonalen über die 16 Mittelfelder ergänzt wird. Diese sind Hilfslinien, die den Bewegungsbereich der Bauern kennzeichnen.

Aufstellung

Rot: König a1, Turm b1, Springer a2, Läufer b2, Bauern a3, b3, c1, c2

Schwarz: König h1, Turm g1, Springer h2, Läufer g2, Bauern g3, h3, f1, f2

Weiß: König h8, Turm g8, Springer h7, Läufer g7, Bauern h6, g6, f8, f7

Grün: König a8, Turm b8, Springer a7, Läufer b7, Bauern a6, b6, c8, c7

Spielzüge

König, Turm und Springer bewegen sich wie beim modernen Schach. Der König zieht ein Feld weit in eine beliebige Richtung. Der Turm zieht und schlägt vertikal und horizontal in beliebiger Länge. Der Springer zieht zwei Felder nach vorne, hinten, links oder rechts und ein Feld im rechten Winkel dazu. Der Läufer springt auf das übernächste diagonale Feld. Die Bauern ziehen ebenfalls wie im modernen Schach, jedoch ohne den Doppelzug zu Beginn. Dabei ziehen sie in Richtung der gegnerischen Startfelder, z. B. die roten Bauern a3, b3 auf den Linien a und b in Richtung Grün und die roten Bauern c1, c2 auf den Linien 1 und 2 Richtung Weiß. Erreicht ein Bauer die Grundlinie, wird er zur Dame. Die Dame zieht ein Feld in jede Richtung.

Weitere Regeln

Grün beginnt, danach ist die Reihenfolge gegen den Uhrzeigersinn. Verloren hat ein Spieler mit einem Schachmatt, einem Patt und wenn er nur noch den König besitzt. Bei einem Schachmatt übernimmt der siegreiche Spieler die Figuren des Besiegten, ansonsten werden die Figuren vom Brett genommen.

Jemandem (nicht) das Wasser reichen können …

von Gerdis

Hochnäsig verwenden wir den Ausspruch “Er/sie kann mir nicht das Wasser reichen” um auszudrücken, dass wir besser sind als der/die, den/die unsere Worte betreffen.

Foto: Sabine Lang, privat, Germanisches Nationalmuseum, Aquamanile, Anfang 13. Jhdt.

Die Herleitung dieser Aussage stammt vom Brauch des Händewaschens vor dem Essen ab. Da Besteck noch weitgehend unbekannt war, wurde mit den Fingern aus gemeinsamen Schüsseln gegessen. Im Mittelalter – und auch schon in der Antike – war es üblich, dass vor dem Essen bei den hohen Herrschaften die Tischdiener mit Schüsseln mit Wasser reihum gingen, damit diese sich die Hände waschen konnten. War ein Diener von zu niedrigem Stand, so konnte er den hohen Herrschaften nicht das Wasser reichen.

Aquamanile

Ein Auqamanile ist ein Gefäß, um das Wasser zum Händewaschen an die Tische zu bringen – eine Art Gießkanne. Ursprünglich stammen Aquamanilen aus dem Orient, wahrscheinlich wurden sie bereits im Frühmittelalter von Händlern nach Europa gebracht. Unzählige Aquamanilen aus Metall und Keramik sind bis heute erhalten und können z. B. im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg bestaunt werden: http://objektkatalog.gnm.de/objekt/KG493

Reinen Wein einschenken

von Gerdis

Wenn wir jemandem sprichwörtlich reinen Wein einschenken, so sagen wir ihm ohne Umschweife und gerade heraus die Wahrheit.

Auch diese Redewendung hat ihre Wurzeln im Mittelalter, wo Gastwirte ihren Gästen häufig gestreckten Wein vorsetzten. Die ehrlichen Gastwirte schenkten also reinen Wein ein.

Wie man laut Gottfried von Franken unverdünnten Wein erkennt

Wer do win kauffen wil, der sol sich nit lassen zu einem
male benügen, sunder dicke sol er den wine versuchen vnd
lange in dem munde haben. Vnd wil er mercken, obe wasser in
den wine sy gemüschet oder in den moste, also die
kriechen leren, so wirffe byren daryn: swebent sie enbor,
so ist der wine one wasser. Die andern meister sprechent,
ein eye darin geworffen, swebet ez enbor, so ist der wine
one wasser. Vellet ez aber zu grunde, so ist wasser darynne.

Auch andere Tricks kamen Gottfried zufolge beim Verkauf von minderwertigem Wein zum Einsatz. So kredenzten Weinhändler etwa Süßholz, Käse oder saure Speisen, um den Wein im Kontrast gut schmecken zu lassen. Gottfried gibt hier sehr konkrete Ratschläge: man solle seinen Mund auswaschen und darauf achten, was man sonst gegessen und getrunken habe.

 Gottfried von Franken und das Pelzbuch

Über das Leben Gottfrieds von Franken wissen wir nur, was er uns selbst in seinen Schriften hinterlassen hat. Er war wahrscheinlich aus der Würzburger Gegend und Kleriker. Er besaß ein Haus in Bologna und unternahm einige Fernreisen, auf denen er sich mit anderen Praktikern zum Austausch von Wissen traf. Auf seine Kenntnisse war er offenbar ausgesprochen stolz und es finden sich neben pragmatischen auch sehr ausgefallene Ratschläge in seinem Werk, was dessen Beliebtheit keinen Abbruch tat.

Um 1300 verfasste Gottfried das Pelzbuch (von mhd. „belzen/pelzen“ = pfropfen = Obstbaumveredelung) in lateinischer Sprache. Es unterteilt sich in zwei Abschnitte, das Baum- und das Weinbuch, und beinhaltet so unterschiedliche Anleitungen wie jene zur Veredlung von Obstbäumen, damit sie süße oder würzige Früchte tragen, die richtige Wahl der Erde für verschiedene Baumsorten, wie man Ziegen daran hindert, sich an einem Baum zu schaben, wie man Pfirsiche ohne Kerne erzielt, wie man guten Essig erzeugt, Rosenwein herstellt, Früchte dörrt, Weinfässer richtig reinigt usw.

Das Werk wurde in Latein verfasst. Es wurde in mehrere Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Tschechisch und Katalanisch, übersetzt und immer wieder überarbeitet und ergänzt. Das Pelzbuch fand bis ins 19. Jahrhundert Verwendung und ist in entsprechend vielen Versionen – oft auch fragmentarisch in anderen Werken wie etwa medizinischen Schriften  – überliefert.

Den Text einer Überarbeitung aus dem 15. Jahrhundert (aus dem auch das oben angeführte Zitat stammt) ist unter folgendem Link zu finden:

http://www.staff.uni-giessen.de/gloning/tx/cod787.htm

Mehr zu Gottfried von Franken und dem Pelzbuch:

Martina Giese, Gottfried von Franken: Pelzbuch, publiziert am 01.03.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Gottfried_von_Franken:_Pelzbuch

Ach, du grüne Neune!

von Gerdis

Als Ausruf des Entsetzens sagt uns „Ach, du grüne Neune!“, dass der Anblick des eben Gesehenen  verstörend wirkt und missfällt.
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig geklärt. Am häufigsten wird auf ein verrufenes Berliner Tanzlokal verwiesen, dessen Adresse „Blumengasse 9“ war und dessen Haupteingang sich am „Grünen Weg“ befand.
Eine weitere Deutungsmöglichkeit bietet das Tarotspiel, bei dem die „Neun der Schwerter“ („Pik Neun“) – im Deutschen Blatt die „Blatt Neun“ – für Unheil und Krankheit steht.
Die dritte Theorie besagt, dass der Ursprung der Redensart in der Verwendung der „neunerlei“ Kräuter besteht, die auch als „Nine Herbs Charm“ im Lacnunga-Manuskript erwähnt werden.

Lacnunga-Manuskript und Nine Herbs Charm

Lacnunga ist altenglisch für Heilmittel, in dieser so betitelten Textsammlung aus dem frühen 11. Jahrhundert sind einige Anleitung zur Anwendung von Zauber- und Segenssprüchen erhalten. In loser Reihenfolge sind Sprüche z.B. zur Beruhigung eines Bienenschwarms oder gegen die „Wasserelfenkrankheit“ genannt. Der medizinische Wert ist gering, jedoch gibt dieses Werk einen Einblick in den Volksglauben der Angelsachsen und lässt Rückschlüsse auf die Häufigkeit von
Krankheiten und Beschwerden zu.

In Lacnunga wird auch der Neun-Kräuter-Segen oder –zauber (Nine Herbs Charm oder Nine Worts Galdor) angeführt. Der Text beschreibt die Verwendung von neun Heilkräutern (vermutlich Beifuß, Breitwegerich, Behaartes Schaumkraut, Gewöhnlicher Feldsalat, Brunnenkresse, Brennnessel, Heilziest, Schwarzer Nachtschatten, Gewöhnlicher Natternkopf, Hühnerhirse, Kamille, Wildapfel, Kerbel und Fenchel), die dem Zauber zufolge gegen das Gift von Schlagen und Würmern helfen sollte.
Der zweite Teil erzählt davon, wie Wodan eine Schlange in neun Teile zerstückelte.
Der letzte Teil des Textes beschreibt die Zubereitung einer Salbe aus diesen Kräutern und deren Anwendung.

Die Zahl 9 im Volksglauben

Bei Zahlenmystikern vieler Kulturen bedeutet die Neun das ganze Universum. In ihr steckt 3 x die Drei, die göttliche Zahl, aber auch die Fünf, für Raum und Zeit und die Vier der Himmelsrichtungen.
Die Zahl 9 spielt in der nordischen Mythologie eine wichtige Rolle. So opfert sich etwa der Gott Odin durch Hängen neun Tage und neun Nächte lang am Weltenbaum Yggdrasil. Sein Sohn Heimdall wurde von neun Müttern geboren.

Rezept „Neun-Kräuter-Suppe“

Die Neun-Kräuter-Suppe wurde angeblich bereits von Kelten und Germanen zu Frühlingsbeginn gekocht. In manchen Regionen wird die Neun-Kräuter-Suppe traditionell an Gründonnerstag gegessen. Nach dem langen Winter bringt das erste Grün frische Vitamine und Mineralstoffe.
Welche neun Kräuter für die Suppe verwendet werden, bleibt jedem selbst überlassen. Eine Auswahl aus folgenden Kräutern bietet sich an: Brennnessel, Vogelmiere, Giersch, Gundelrebe, Pimpernelle, Gänseblümchen, Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Schafgarbe, Sauerampfer, Rauke, Frauenmantel, Dost, Kerbel, Bärlauch, und klassische Küchenkräuter wie Kresse, Schnittlauch, Petersilie, Thymian, etc.

Je eine Hand voll Kräuter
80 g Mehl
1 EL Butter oder Öl
1/8 l Weißwein
1 l Wasser oder Gemüsesuppe
Salz, Pfeffer, Knoblauch, Muskat
Eventuell 1 Ei
Zum Garnieren: Gänseblümchen

Mehl kurz in Fett rösten und mit etwas Weißwein aufgießen, kurz mit einem Schneebesen durchrühren, damit keine Bröckerl entstehen. Mit dem restlichen Weißwein und dem Wasser aufgießen und würzen, aufkochen lassen. Die Kräuter grob schneiden, dazugeben und danach alles pürieren.
Wer will kann die Suppe mit Eidotter legieren und mit Gänseblümchen dekorieren.

Unter die Haube kommen

von Gerdis Gerleifsdottir

Eine der bekanntesten Redewendungen und ihre dazugehörige Herleitung ist bestimmt „unter die Haube bringen“. Diese Redewendung wird häufig im  Zusammenhang mit dem Beenden des Singledaseins einer weiblichen Person benutzt.

Die Herkunft ist einfach erklärt: Über viele Jahrhunderte war es üblich, dass verheiratete Frauen ihre Haare bedeckten, da offene Haare als aufreizend empfunden wurden.

Die Haube der Hl. Birgitta von Schweden

Auf vielen Darstellungen von Frauen zwischen 1250 und 1500 in ganz Europa findet man eine Kopfbedeckung, die in Fachkreisen „St. Birgitta Haube“ genannt wird.

Birgitta von Schweden lebte zwischen 1303 und 1373. Sie war Beraterin von Adligen und Päpsten. Ihre Haube wurde als Reliquie aufbewahrt und ist deshalb gut erhalten. Die gefundene Haube ist aus Leinen und besteht aus zwei Hälften die in der Mitte durch eine Fischgrät-Stickerei verbunden sind. Das Band zum Befestigen ist ebenfalls aus Leinen und bestickt.

Durch die vielen Darstellungen der Haube sind mehrere Tragweisen der Haube bekannt, so kann sie alleine oder unter einem Schleier oder Gebende getragen werden.

Anleitung zur Herstellung der Haube

Die Brigitta-Haube ist eine sehr beliebte Kopfbedeckung für die historische Darstellung der Frau. Daher gibt es Unmengen von Varianten und Anleitungen online. Ein Beispiel dafür ist der Blog von Loyse de Honnefleu „Seams and Spices“, wo ihr eine zweisprachig verfasste Anleitung findet.

Linksammlung

Diverse Abbildungen aus historischen Quellen

Das Leben der Hl. Brigitta im Heiligenlexikon.