Bayeux Stich

von Ellisa

Der Teppich von Bayeux ist sicher eines der bekanntesten kunsthandwerklichen Stücke des Mittelalters. Auf über 68 Metern (!) zeigt dieser die Geschichte rund um den Battle of Hastings (1066) und zwar aus zeitgenössischer Sicht. Der Teppich entstand bereits kurz nach den dargestellten Ereignissen. Neben der kommentierten Hauptlinie weist er auch oben und unten Zierbalken mit häufig fantastischen Tieren auf. Die Ereignisse werden von erklärendem Text auf Latein begleitet.

Der Bayeux-Stich ist eine der Sticharten, die in der Arbeit verwendet wurden. Er wird benutzt, um große Flächen möglichst materialschonend zu füllen. Dabei ist ein Stickrahmen unbedingt nötig, um die Flächen gleichmäßig zu füllen.

Als ersten Arbeitsschritt umrandet man die geplante Form mit Stielstich. Dabei kann man, wenn man will, schon die Innendetails mitsticken, allerdings muss man dann den Füllstich unter diesen durchführen, deshalb ist diese Reihenfolge nicht ideal.

Der Füllstich ist der zweite Arbeitsschritt. Für diesen sucht man die längste Länge in der zu füllenden Fläche. Diese füllt man, indem man unter dem Randstich nach oben sticht, den Faden über die komplette Länge legt und unter den gegenüberliegenden Randstich nach unten führt. Danach kommt der Faden direkt daneben wieder nach oben und wird parallel zum ersten zurück nach oben geführt und so weiter. So entsteht auf der Oberseite eine Fläche an dicht nebeneinanderliegenden Fäden, während auf der Unterseite nur kleine Pünktchen an Füllfarbe die Kanten entlang zu sehen sind.

Damit die gelegten Fäden nicht wegklaffen, werden sie im dritten Schritt mit rechtwinkelig darüber gelegten Fäden in regelmäßigen Abständen festgeheftet. Dazu legt man wieder von Randstich zu Randstich Fäden quer über die Füllfäden und heftet diese dann am “Rückweg” in regelmäßigen Abständen fest. Dabei sticht man idealerweise durch statt zwischen die Füllfäden, damit keine Lücken entstehen. Die Abstände der Heftstiche und die Fadenabstände der Heftfäden sollen dabei in etwa gleich groß sein (mind. 1/2cm Abstand).

Ein paar Anmerkungen noch:

* Es ist durchaus üblich, dass nebeneinander liegende Flächen nicht in die gleiche Fadenrichtung gefüllt werden.
* Die hinten liegenden Beine bei Tieren am Teppich von Bayeux haben in der Regel eine andere Farbe, um Tiefenwirkung zu erzielen.
* Im Original sind die Farben für Tiere nicht notwendigerweise natürlich gewählt – es gibt z.B. auch blaue Pferde. Originalfarben waren Färbungen mit Reseda, Waid und Krapp in verschiedenen Kombinationen.

 

Kammweben

Die meisten von uns haben in der Schule einmal gewebt – mit dem Schussfaden (mit oder ohne Schiffchen) abwechselnd über und unter die Kettfäden (also die aufgespannten Fäden). Dass damit bei dicken Fäden oder Bändern ziemlich schnell kleine Tischteppiche entstehen, ist damit wohl auch jedem noch bekannt.

Allerdings stellt sich dann schnell Langeweile ein, wenn man lange Stoffbahnen weben will oder mit dünnem Garn arbeitet. Daher gibt es schon seit vor Christi Geburt diverse Hilfsmittel, die einem die Webarbeit erleichtern und das monotone Drüber-Drunter-Drüber für jeden einzelnen Faden unnötig machen. Ein Beispiel dafür sind Webkämme, die in weiten Teilen Europas bekannt waren und es teilweise immer noch sind.

Bildquelle: Norsk Folkemuseum

Wie man am Bild aus dem Norsk Folkemuseum sehen kann, besteht ein Webkamm in Prinzip aus einem Brettchen, in dem abwechselnd Schlitze und Löcher angebracht sind. Dieses wird von der Mitte aus mit Kettfäden bespannt. Hebt man dann den Kamm über die gespannten Kettfäden an, heben sich alle Fäden in den Löchern, die Fäden in den Schlitzen rutschen nach unten. Drückt man den Kamm hinunter, senken sich die “Loch-Fäden”. Auf diese Art und Weise kann man immer abwechselnd die beiden “Webfächer” öffnen, das Drüber-Drunter passiert also mit einem einzigen Handgriff.

Natürlich sind den Mustern hier ohne weitere Arbeitsschritte erst einmal Grenzen gesetzt, da sich ja nur zwei Reihen von festen Fadenfolgen abwechseln. Man kann das ganz einfach einmal mit Buntstiften testen, indem man zwei Reihen Kästchen untereinander aufmalt, die um die Hälfte versetzt sind, und diese dann abwechselnd anmalt. Es entstehen einfache Zickzack Linien oder kleine Kästchen.

Klassische Trachtenbänder für Herrentrachten kann man in dieser Technik übrigens wunderbar herstellen.

Bildquelle: abgelaufenes Angebot auf willhaben.at

Das Kästchenmuster für diese Bänder sieht folgendermaßen aus:

Selbstverständlich sind die Grenzen dieser Technik damit noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Mit Hebetechniken lassen sich auch sehr viel komplexere Muster mit dem Kamm weben. Wer weiterlesen möchte, findet mehr Lesestoff auf 

http://viking-woman.blogspot.com/2017/05/kammweben-infosammlng.html

oder in den Büchern Inkle Pattern Directory (Anne Dixon) und Ostpreußische Jostenbänder (Irene Burchert)

Blackwork/Schwarzstickerei – Was ist das?

“Blackwork”, im Deutschen Schwarzstickerei, ist eine Sticktechnik, bei der in schwarzem Garn (häufig Seide) auf hellem Leinen oder Baumwolle gearbeitet wird. Beliebt war die Technik ab dem 16. Jahrhundert in England, wo Kleidungsstücke an Kragen, Ärmeln oder Bündchen beziehungsweise ganze Hauben in diesem Stil bestickt wurden, aber auch in Italien, Spanien oder Holland.

Die Muster sind häufig geometrisch, später auch gerne floral (in diesem Fall in der Regel nicht “zählbar”). Auf der Abbildung links sind ein Bündchen (ca. 1530) und ein Ärmel (ca. 1590) von Gemälden aus dieser Zeit zu sehen.

Auch andere Farben in dieser Technik sind bekannt, kommen aber seltener vor (“Scarletwork” etc.). Die Abbildung rechts zeigt einen venezianischen, rot bestickten Kragen von etwa 1520.

Auch blau, rosa, violett und grün sind von Werkstücken oder Darstellungen bekannt. Schwarz kommt aber mit Abstand am häufigsten vor.

Auf Frauenhauben aus dieser Zeit sind flächendeckende Blackwork-Verzierungen erhalten (“blackwork coif”, “Elizabethan coif”).

Blackwork – Wie fang ich an?

Was macht man, wenn man sich eine Woche nicht von der Couch bewegen kann? Richtig, man lernt eine neue Technik.

Dabei stellt sich heraus: Wer schon einmal Kreuzstich gestickt hat, tut sich auch mit Schwarzstickerei nicht sonderlich schwer. Die meisten der geometrischen Muster bestehen aus senkrechten, waagrechten und diagonalen Stichen. Welchen Stich man verwendet, bleibt einem im Endeffekt selbst überlassen. Holbeinstich ist meinen Quellen zufolge beliebt, aber auch Stielstich wird genannt.

Muster aus unserer Darstellungszeit finden sich im Netz zuhauf, z.B. unter…
http://www.dragonbear.com/sample1.html
http://www.elizabethancostume.net/blackwork/seymour.html
Außerdem hat z.B. Lady Ceara Shionnach aus Lochac auf ihrem Blog Unterlagen zur Verfügung gestellt:
https://cearashionnach.files.wordpress.com/2014/04/broad-introduction-to-blackwork-2014.pdf

Wer erst einmal kein großes Interesse an der Historizität des Ganzen hat, sondern sich einfach einmal die Technik aneignen will, findet bei der Suche nach “blackwork patterns” oder auch “blackwork samplers” unzählige Motive.

 

Was brauche ich?

Für den Anfang reicht ein Stück eng gewebtes Leinen oder – wenn man waghalsig (tollkühn? dumm?) ist, auch vollkommen unregelmäßig gewebte Naturseide, die von einem uralt-Projekt noch im Schrank liegt. Wer keinen Seidenfaden bei der Hand hat, kann auch mit einzelnen Fäden Stick-Garn oder dünnem Perlgarn arbeiten. Letzteres sieht aber offensichtlich modern aus. Außerdem ist ein Stickrahmen sehr sinnvoll, damit der Stoff gleichmäßig gespannt ist und die Stiche regelmäßig groß werden und das Material nicht ziehen.

Und dann geht es los.

Idealerweise zeichnet man entweder vor, oder man hat zählbaren Stoff als Basis. Tut man das nicht (so wie ich), werden die Muster gegebenenfalls unregelmäßig. Das sieht man gut an den Quadraten im rechten Blütenblatt.

Interessanterweise spielt es wenig Rolle, wo man in der Fläche, die man besticken will, anfängt. Ich habe meistens von der Mitte aus gearbeitet, um wenigstens ein paarmal das komplette Muster zu sticken, bevor ich an den Rändern nur noch Teile davon sehen wollte. Außerdem empfiehlt es sich, jeden Faden sofort zu vernähen und nicht mit dem Vernähen bis zum Schluss zu warten.