Blackwork/Schwarzstickerei – Was ist das?

“Blackwork”, im Deutschen Schwarzstickerei, ist eine Sticktechnik, bei der in schwarzem Garn (häufig Seide) auf hellem Leinen oder Baumwolle gearbeitet wird. Beliebt war die Technik ab dem 16. Jahrhundert in England, wo Kleidungsstücke an Kragen, Ärmeln oder Bündchen beziehungsweise ganze Hauben in diesem Stil bestickt wurden, aber auch in Italien, Spanien oder Holland.

Die Muster sind häufig geometrisch, später auch gerne floral (in diesem Fall in der Regel nicht “zählbar”). Auf der Abbildung links sind ein Bündchen (ca. 1530) und ein Ärmel (ca. 1590) von Gemälden aus dieser Zeit zu sehen.

Auch andere Farben in dieser Technik sind bekannt, kommen aber seltener vor (“Scarletwork” etc.). Die Abbildung rechts zeigt einen venezianischen, rot bestickten Kragen von etwa 1520.

Auch blau, rosa, violett und grün sind von Werkstücken oder Darstellungen bekannt. Schwarz kommt aber mit Abstand am häufigsten vor.

Auf Frauenhauben aus dieser Zeit sind flächendeckende Blackwork-Verzierungen erhalten (“blackwork coif”, “Elizabethan coif”).

Blackwork – Wie fang ich an?

Was macht man, wenn man sich eine Woche nicht von der Couch bewegen kann? Richtig, man lernt eine neue Technik.

Dabei stellt sich heraus: Wer schon einmal Kreuzstich gestickt hat, tut sich auch mit Schwarzstickerei nicht sonderlich schwer. Die meisten der geometrischen Muster bestehen aus senkrechten, waagrechten und diagonalen Stichen. Welchen Stich man verwendet, bleibt einem im Endeffekt selbst überlassen. Holbeinstich ist meinen Quellen zufolge beliebt, aber auch Stielstich wird genannt.

Muster aus unserer Darstellungszeit finden sich im Netz zuhauf, z.B. unter…
http://www.dragonbear.com/sample1.html
http://www.elizabethancostume.net/blackwork/seymour.html
Außerdem hat z.B. Lady Ceara Shionnach aus Lochac auf ihrem Blog Unterlagen zur Verfügung gestellt:
https://cearashionnach.files.wordpress.com/2014/04/broad-introduction-to-blackwork-2014.pdf

Wer erst einmal kein großes Interesse an der Historizität des Ganzen hat, sondern sich einfach einmal die Technik aneignen will, findet bei der Suche nach “blackwork patterns” oder auch “blackwork samplers” unzählige Motive.

 

Was brauche ich?

Für den Anfang reicht ein Stück eng gewebtes Leinen oder – wenn man waghalsig (tollkühn? dumm?) ist, auch vollkommen unregelmäßig gewebte Naturseide, die von einem uralt-Projekt noch im Schrank liegt. Wer keinen Seidenfaden bei der Hand hat, kann auch mit einzelnen Fäden Stick-Garn oder dünnem Perlgarn arbeiten. Letzteres sieht aber offensichtlich modern aus. Außerdem ist ein Stickrahmen sehr sinnvoll, damit der Stoff gleichmäßig gespannt ist und die Stiche regelmäßig groß werden und das Material nicht ziehen.

Und dann geht es los.

Idealerweise zeichnet man entweder vor, oder man hat zählbaren Stoff als Basis. Tut man das nicht (so wie ich), werden die Muster gegebenenfalls unregelmäßig. Das sieht man gut an den Quadraten im rechten Blütenblatt.

Interessanterweise spielt es wenig Rolle, wo man in der Fläche, die man besticken will, anfängt. Ich habe meistens von der Mitte aus gearbeitet, um wenigstens ein paarmal das komplette Muster zu sticken, bevor ich an den Rändern nur noch Teile davon sehen wollte. Außerdem empfiehlt es sich, jeden Faden sofort zu vernähen und nicht mit dem Vernähen bis zum Schluss zu warten.