Redewendungen aus dem Mittelalter / Warum sagen wir:

Einen Stein im Brett haben…Abb.: Codex Manesse, UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848, fol. 262v: Herr Goeli http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0520

 

Bei dieser Person hast du wohl einen Stein im Brett. Mit dieser Aussage – meist gefolgt von einem Augenzwinkern – verdeutlichen wir, dass unser Gesprächspartner bei einer dritten Person einen guten Eindruck hinterlassen hat. 

Welcher Stein ist hier gemeint? Und welches Brett überhaupt? – Hier ist nicht vom Brett vor dem Kopf die Rede, sondern vielmehr das Spielbrett auf dem Backgammon (Puff, Tric Trac, Wurfzabel) gespielt wird. Auch der Stein bezeichnet keinen gewöhnlichen Stein sondern eben jenen, der zum Spielen verwendet wird. 

Wer beim Puff spielen einen guten Stein im Brett hatte, hatte seinem Mitspieler das Gewinnen deutlich erschwert. Diese Redewendung findet sich bereits 1529 in der Sprichwörtersammlung von Johannes Agricola (deutscher Reformator und enger Vertrauter Martin Luthers).

Abb.: Österreichische Nationalbibliothek, Schachzabelbuch, Cod. Nr. 3049, fol 158r 

 

Puff, Wurfzabel, Tric Trac, Backgammon

Unzählige Funde und Darstellungen deuten auf die Beliebtheit der Vorgänger des Backgammon-Spiels während des Mittelalters hin. Sei es, wie oben dargestellt, in der Heidelberger Liederhandschrift – Codex Manesse, im Libro de los juegos (Buch der Spiele) von Alfons X., dem Weisen oder als Fassadenfresko mitten in Wien. 

Foto: Sabine Lang, privat
Kunsthistorisches Museum Wien, Spielbrett, 1. Hälfte 14. Jhdt., Venedig (?) https://www.khm.at/objektdb/detail/86367/

 

Wurfzabel wird auch im Wigalois des Wirnt von Grafenberg erwähnt, Lârîens Elefantenzug:

dâ lagen vor den vrouwen fier
wurfzabel und kurrier
geworht von helfenbeine.
mit edelem gesteine
spilten si, mit holze niht,
als man nû vrouwen spieln siht.
si hêten kurzewîle vil
von manger hande seitspil
daz diu vrouwen kunden

Die Ursprünge dieses Spiels werden in Indien, Persien und im alten Ägypten vermutet. Die Römer kannten ähnliche Spiele – das Ludus duodecim scriptorum (Zwölflinienspiel), welches vom ägyptischen Senet abgeleitet wurde, oder dessen Weiterentwicklung, Tabula. Das Wort Zabel für Spielbrett hat den gleichen Ursprung wie Tabula, also Brett. 

Übrigens… Das Wort “Puff” für Bordell leitet sich ebenfalls von diesem Spiel ab. 

Geirdís Geirharðardóttir