Bänder und Schnüre – Wieso sind die überhaupt ein Thema?

von Ellisa

Heutzutage denken wir nicht wirklich darüber nach, wo die Schnüre herkommen, die wir im Alltag verwenden – als Schuhbänder, zum Raffen von Vorhängen, als Ziehband in der Kapuze und so weiter und so fort. Schnurwaren sind ein wichtiger und fast unbeachteter Bestandteil des Alltags.

Auch im Mittelalter haben Schnüre und Bänder schon eine große Rolle gespielt – nur konnte man sie nicht für kleines Geld auf selbiger kaufen. Es ist also kein Wunder, dass wir zahlreiche Methoden kennen, um stabile Schnüre aus dünnem Garn herzustellen.

Auf diesem Bildausschnitt aus dem Gemälde “Kinderspiele” von Pieter Bruegel d.Ä. sind Nestelbänder gut zu sehen.

Schnüre waren nicht nur für Alltagstätigkeiten notwendige Utensilien, sondern auch sehr sichtbare Bestandteile der Kleidung, wie auf dem Bildausschnitt von “Kinderspiele” (~1560) zu sehen. Bei den markierten Schnüren handelt es sich um Nestelbänder, mit denen Kleidungsstücke (hier Wämser und Hosen) miteinander verbunden waren. Ohne die Schnüre, die die Hose am Oberteil “festnesteln”, wären die Jungen schnell in ihrer Unterwäsche dagestanden.

 

Ercole de' Roberti - Head of a Mourning Woman - Walters 371707.jpg
Hier sieht man die Leiterschnürung in besonders gutem Detail (Kopf einer trauernden Frau von Ercole de’ Roberti, 15. Jh)

Deutlich bekannter als die Nestelbänder bei Männerkleidung ist natürlich die Schnürung der Frauentracht, die entgegen dem, was man auf vielen Shop-Seiten zu kaufen bekommt, in der Regel nicht hinten, sondern vorne (oder seitlich) üblich war – eigentlich logisch, wenn man sich selbst anziehen möchte, ohne sich von jemandem ins Kleid schnüren zu lassen. Zudem hatte die Schnürung in der engen Mode des 15. Jahrhunderts stützenden Charakter und konnte bei schwangeren oder stillenden Müttern einfach gelockert beziehungsweise mit einem Stoffstück hinterlegt werden (man bedenke, dass damals in der Normalbevölkerung keine Umstandsmode üblich war, schließlich war Kleidung eine große Investition).

 

 

Hier betrachtet Dietmar von Aist im Codex Manesse diverse Almosenbeutel, die mit Kordeln verschlossen wurden.

Natürlich finden sich dekorative Koredeln auch in anderem Zusammenhang, so etwa als Verschluss von Almosenbeuteln wie hier im Codex Manesse (~1300) oder als Band, auf dem Glasperlen aufgefädelt wurden.

 

Die Methoden, um Schnüre herzustellen, die wir bereits ausprobiert haben, sind vielfältig: Tundeln, Dünteln, Fingerloop, Lucet oder Kumihimo sind hier bereits zur Anwendung gekommen. Wir werden sie im Laufe der nächsten Zeit näher vorstellen.