Redewendungen aus dem Mittelalter / Warum sagen wir:

Hieb- und stichfest…

 

Abb. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0371
Hieb- und stichfest…

Im Streit wirft uns unser Gegenüber eine Aussage an den Kopf, die für uns an den Haaren herbeigezogen ist. Nach einiger Zeit müssen wir aber zugeben, dass die genannte Tatsache hieb- und stichfest ist. Das Argument ist also nicht zu widerlegen.

Um im Turnier oder Kampf vor den Hieb- und Stichwaffen (später auch vor Schußwaffen) des Gegners gefeit (von Fei = Fee) zu sein, benutzten die Kämpfer einige Zauber, wie z. B. das Bad in Drachenblut in der Nibelungensage oder das Mitführen von Wolfsaugen, Maulwurfsherzen, Nabelschnur, Nachgeburt oder verschiedenste Kräuter und Pflanzenwurzeln. 

Das magische Ritual des Festmachens oder Feiens sollte die Unverwundbarkeit des Rüstungsträgers garantieren – ihn hieb- und stichfest machen. 

 

Gerüsteter Schwertkampf in der SCA (SCA Heavy Fighting)
Abb. http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0403

 

In der SCA wird bei gerüstetem Schwertkampf großer Wert auf die Einhaltung bestimmter Regeln gelegt, welche im Drachenwald Marshal’s Handbook genau festgelegt sind. Schließlich wollen wir mit unseren Gegnern nach dem Kampf ein Bier trinken und sie nicht im Krankenhaus besuchen. 

 

Die wichtigsten Regeln zur Schutzausrüstung in aller Kürze:

Der Helm: Die Materialstärke des Stahls hat an jeder Stelle mindestens 1,6 mm zu betragen. Der Gesichtsschutz muss ein Rundholz mit einem Durchmesser von 25,4 mm am Eindringen hindern und muss mindestens 25,4 mm unterhalb des Kinns enden. Alle Teile des Helms, die mit dem Träger in Kontakt kommen können sind mit 12,7 mm Schaumstoff zu polstern. Der Helm ist mit einem Kinnriemen auszustatten. 

Die Halsrüstung: Der Hals, inklusive Kehlkopf, Halswirbel und oberstem Brustwirbel, muss während des Kampfes, auch beim Heben des Kinns und Drehen des Kopfes, bedeckt bleiben.

Der Körper, die Schultern und die Leisten: Die Nieren und die kurzen Rippen müssen geschützt sein. Männer und Frauen müssen einen Tiefschutz tragen. Separate Brustschalen sind untersagt.

Die Hand- und das Handgelenk: Die Außenfläche der Hand muss bis zu 25,4 mm hinter dem Handgelenk bedeckt sein. Ein fester Korb am Schwert und Schild muss verhindern, dass die Hand getroffen werden kann. 

Die Arme: Die Ellenbogenspitze und die Knochen zu beiden Seiten des Ellenbogens müssen mit stabilem Material bedeckt sein. Ein Schild alleine ist nicht ausreichend. 

Die Beine: Die Kniescheibe und 25,4 mm darüber und darunter müssen zu beiden Seiten des Knies bedeckt sein. Der Kämpfer soll Fußbekleidung tragen, die ihm ausreichend Schutz und Standfestigkeit bietet. 

Der Schild: Schilde sind so zu konstruieren, dass sie den Schaden an Rattanwaffen oder mögliche Verletzungen des Kämpfers minimieren. Der Schild darf niemals als Waffe eingesetzt werden. 

 

Wer mehr über SCA Heavy Combat erfahren oder mitmachen möchte, findet uns jeden Mittwoch am HTC Platz im Wiener Prater. 

 

Alle Abbildungen: Cod. Pal. germ. 848 Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) — Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340

Linksammlung:

Das Nibelungenlied: https://www.youtube.com/watch?v=-73bW3NWKmA

Marshal’s Handbook: http://www.drachenwald.sca.org/drupal/sites/default/files/Marshal_s%20Handbook_8_1_2016.pdf

Geirdís Geirharðardóttir