Der Lebkuchen und seine Geschichte

von Ellisa

Lebkuchenherzen am Kirtag, Nikolo und Krampus aus Lebkuchen, Geschäfte mit Honig, Bienenwachsprodukten und Lebkuchen in der Nähe vieler bedeutender Kirchen – Gebäck aus Honigteig mit Gewürzen ist in unserem Kulturkreis seit Jahrhunderten fest verwurzelt.

Der Lebkuchen (in seiner Definition als Brotteig mit Honig, der mit weiteren Zutaten verfeinert werden konnte) hat seine Ursprünge bereits in vorchristlicher Zeit, und zwar überall in der Antiken Welt. Wir kennen Funde und Erwähnungen aus dem Alten Ägypten, dem Antiken Griechenland und Rom sowie später bei den Germanen. Sehr oft hatte er kultige Funktion – so deuten germanische Funde darauf hin, dass er als Opfer dargebracht oder in den Rauhnächten als Nachtisch eines Festmahls serviert wurde. Auch im Judentum gibt es auch heute noch solche traditionellen Einsatzgebiete.

Abbildung des Lebküchners, datiert von 1520

Früher waren Bienenstöcke bei weitem nicht so ertragreich wie heute und Honig daher ein begehrtes Gut, das gerne gehandelt wurde. Deshalb, und auch aufgrund der Tatsache, dass viele der Gewürze für Lebkuchen importiert werden mussten, war Lebkuchen keine alltägliche Nascherei, sondern genoss Vorrangstatus. Praktischerweise war das süße Gebäck problemlos lagerbar.

Das Backen von Lebkuchen genoss dermaßen hohes ansehen, dass es dafür eine spezielle Berufsbezeichnung gab, den Lebzelter. In deren Aufgabenbereich fielen auch das ziehen von Kerzen und andere Tätigkeiten bei der Verarbeitung von Bienenwachs und Honig. Nürnberg und Aachen entwickelten in Deutschland einen Ruf für ihre Lebzeltereien. In Österreich gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert Lebkuchentraditionen in Bad Aussee, St. Wolfgang und Bad Leonfelden.

Auch in der Literatur tauchen Lebkuchen immer wieder als Leckereien auf. So bestehen etwa Fensterladen und Türen im Schlaraffenland aus Lebkuchen (Hans Sachs, 1530).

Hans Sachs: Das Schlaraffenland (1530)

Eine Gegend heißt Schlaraffenland,
den faulen Leuten wohlbekannt;
die liegt drei Meilen hinter Weihnachten.
Ein Mensch, der dahinein will trachten,
muß sich des großen Dings vermessen
und durch einen Berg von Hirsebrei essen;
der ist wohl dreier Meilen dick;
alsdann ist er im Augenblick
im selbigen Schlaraffenland.
Da hat er Speis und Trank zur Hand;
da sind die Häuser gedeckt mit Fladen,
mit Lebkuchen Tür und Fensterladen.
Um jedes Haus geht rings ein Zaun,
geflochten aus Bratwürsten braun;
vom besten Weine sind die Bronnen,
kommen einem selbst ins Maul geronnen.
An den Tannen hängen süße Krapfen
wie hierzulande die Tannenzapfen;
auf Weidenbäumen Semmeln stehn,
unten Bäche von Milch hergehn;
in diese fallen sie hinab,
daß jedermann zu essen hab.

Ein Rezept habe ich übrigens auch, wenn auch leider nicht historisch (hier bin ich bisher nicht fündig geworden).

30 dag Mehl (Weizen und Roggen gemischt)
max. 25 dag Rohzucker
2 Eier
15 dag geriebene Haselnüsse
10 dag Honig
2 TL Lebkuchengewürz (leicht gehäuft)
1 TL Backnatron

Tipp: Flüssiger Honig statt auskristallisiertem macht die Verarbeitung deutlich einfacher.
Der Teig kann sofort nach dem Durchkneten verarbeitet werden. Die Lebkuchen sind anfangs hart und ziehen an der Luft Feuchtigkeit, es empfiehlt sich also, die Schüssel nur mit einem Tuch abzudecken, bis die Kekse die gewünschte Konsistenz haben.

Quellen:
https://www.uni-regensburg.de/bibliothek/katharinenspital/lebkuchen/
https://www.projekt-gutenberg.org/sachs/gedichte/chap001.html